Report Mainz deckt unzulässige Abschalteinrichtung beim VW-Motor EA288 auf

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Nach Recherchen von Report Mainz liegen neue Hinweise vor, dass auch beim Nachfolgemotor des „Skandal-Diesels“ von VW, dem Motor EA 288, Abschalteinrichtungen eingebaut wurden.

Der Katalysator-Entwickler und Ingenieur Martin Pley hat bei einem Golf 7 mit EA-288-Motor – mit der Schadstoffklasse Euro 5 – Abgastests durchgeführt. Report Mainz war bei den Tests mit der Kamera dabei. Die Abgasmessungen lieferten auf Testfahrten neue Belege dafür, dass bei dem Golf auf der Straße ein Vielfaches der Stickoxid-Emissionen entsteht, die auf dem Prüfstand ermittelt worden sind.

Die Emissionen lagen zudem deutlich über den Werten, die bei einem Prüfstandstest erlaubt sind. Doch die wichtigste Erkenntnis für Martin Pley ist, dass bei den Tests die Abgasreinigung abhängig von der Außentemperatur ist.

In dem Interview mit Report Mainz sagte Ingenieur Pley: „Wir konnten zeigen, dass wir eine temperaturabhängige Regelung der Abgasreinigung haben, was einem Thermofenster entspricht. Und wir haben Stickoxid-Emissionen, die deutlich über dem gültigen Grenzwert liegen.“

VW teilte dazu mit, dass man diese Messungen nicht kommentieren wolle, da man deren „Natur“ nicht kenne.

Die Autohersteller haben solche Abschalteinrichtungen „Thermofenster“ getauft. Der europäischen Gerichtshof hat zu klären, ob diese temperaturabhängige Abschaltung der Abgasreinigung erlaubt ist. Die Generalanwältin des EuGH hat in ihrem Schlussantrag Ende April bereits klargestellt, dass sie „Thermofenster“ für illegal hält.

Auf Anfrage von Report Mainz teilte VW hierzu mit, dass man diese Abschaltung für legal halte – sie diene dem „Motorschutz“. Diese Aussage führt zur Verwunderung, da VW damit die temperaturabhängige Abschalteinrichtung jetzt zugibt, nachdem VW vor ca. einem Jahr, als der SWR erstmals über Abschalteinrichtungen beim Dieselmotor EA 288 berichtete, Abschalteinrichtungen beim EA288 vehement bestritten hat. Wörtlich sagte VW-Chef Herbert Diess damals in der ZDF-Talkshow Maybrit Illner: „Der Motor hat keine Abschalteinrichtung.“

Erst jetzt, ein Jahr später, teilt VW gegenüber Report Mainz mit, der Motor habe doch eine Abschalteinrichtung, aber die sei aus Konzernsicht legal. Die früheren Aussagen hätten sich ausschließlich auf den EA 288 Euro 6dTemp bezogen. Ineressant hierbei ist die Tatsache, dass der SWR nie über Fahrzeuge mit diesem Motor (EA288 Euro 6dTemp) berichtet hat, sondern über interne VW-Dokumente, die sich auf die weitaus größere Zahl der Fahrzeuge mit der Abgasnorm Euro 5 und Euro 6 (ohne dTemp) bezogen. Darin wird unter anderem beschrieben, wie die Zykluserkennung (Prüfstand) funktioniert und wie die Abgasreinigung verändert wird.

Auch das KBA stellt sich nicht vorbildlich dar. Beim Golf 7 mit EA 288 stellte das KBA ebenfalls fest, dass dieser auf der Straße rund 10x so viel Stickoxide ausstößt wie auf dem Prüfstand. Aber man kam dennoch zum Ergebnis: Kein Manipulationsverdacht.

Report Mainz fragte daher beim KBA nach, wie man sich erklären könne, dass der Golf 7 auf der Straße 10x mehr Stickoxide ausstößt als auf dem Prüfstand. Dazu teilte die Bundesbehörde mit, „dass keine als unzulässig einzustufenden Abschaltvorrichtungen festgestellt werden konnten“. Eine Erklärung für diese Aussage lieferte das KBA aber nicht.

Noch fragwürdiger sind die Aussagen des KBA in der gleichen Untersuchung bezüglich des VW Touareg 3.0. Im Abschlussbericht des KBA wurde dieser Touareg explizit vom Vorwurf der Manipulation freigesprochen, ein Jahr später widersprach sich die Behörde dann selbst und erließ einen amtlichen Rückruf für den VW Touareg wegen „unerlaubter Abschalteinrichtungen“. Wie belastbar sind also die Ergebnisse des Kraftfahrtbundesamtes?

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Veröffentlicht von

Rechtsanwalt Alexander Jüngst, Fachanwalt für Verkehrsrecht und Fachanwalt für Miet- und Wohnungseigentumsrecht

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Rechtsanwalt in Flensburg

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